Mittwoch, 24.6.2026
Pressedienst NABU Oldenburg  aktuell - archiv

NABU: Gute Nachrichten aus der Hecke, schlechte vom Dach
Haussperlinge und Mehlschwalben wurden im Oldenburger Land deutlich seltener gezählt, Finken und Amseln wieder etwas häufiger gesichtet

Oldenburg, Oldenburger Land, d. 27.5.2026:
Während des Zählwochenendes wurden im Oldenburger Land in 555 Gärten insgesamt 16.326 Vögel gemeldet, im Vorjahr waren es 15.940. Die hohe Beteiligung sorgt auch in diesem Jahr wieder für ein aussagekräftiges Ergebnis, so dass Rückschlüsse gezogen werden können, in Bezug auf die Entwicklung der heimischen Vogelwelt.

Dazu Mario Göwert von der NABU-Regionalgeschäftsstelle Oldenburger Land:
„Das Endergebnis zeigt, dass unsere häufigen Gartenvögel wie Blaumeise, Rotkehlchen, Kohlmeise und Amsel weiterhin mit den vorhandenen Lebensbedingungen zurechtkommen. Zudem erkennen wir, dass die Finkenbestände wieder zugenommen haben, nachdem sie in den vergangenen Jahren unter dem Trichomonas-Parasiten gelitten hatten, auch bekannt als Grünfinkensterben. So stiegen die Sichtungen im Oldenburger Land beim Grünfinken um 10 Prozent und beim Buchfinken um 7 Prozent. Auch die Amselbestände haben sich wieder erholt, nachdem im Jahr 2024 sehr viele Tiere wegen des Usutu-Virus verendeten. So wurden bei der jetzigen Zählung im Oldenburger Land 1326 Amseln gemeldet. Das Ergebnis ist somit wieder auf dem Niveau wie vor dem Usutu-Ausbruch“, berichtet Göwert und ergänzt dazu: „Das Usutu-Virus und Parasiten wie Trichomonaden werden besonders häufig an verunreinigten Vogeltränken und Futterstellen übertragen, weshalb die Wasserstellen - ganz besonders Badestellen - täglich gereinigt werden müssen und das Füttern während der warmen Jahreszeit eingestellt werden sollte, zumindest dann, wenn bekannt ist, dass eine solche Krankheit hausiert.“

Am häufigsten gemeldet wurde mit 1697 Exemplaren wieder der Haussperling. Alarmierend ist jedoch, dass seine Bestände in den Stadtgebieten in den letzten Jahren immer mehr zurückgehen – teils drastisch, wohl im Zuge der energetischen Sanierung ohne Schaffung von Ersatzquartieren. „Als urbane Art finden sie in städtischen Gebieten immer weniger Nistmöglichkeiten, wie etwa unter Dachpfannen oder in Hohlräumen. Zudem fehlen verstärkt ausreichend Insekten, die für die Aufzucht der Jungvögel unverzichtbar sind – das zweite große Problem“, betont Göwert. In der Stadt Oldenburg war beim Haussperling ein Rückgang von 17 Prozent zu verzeichnen, in Vechta waren es 15 Prozent weniger gezählte Tiere.
Aber auch andere Gebäudebrüter wie Rauchschwalbe, Hausrotschwanz, Mauersegler und im Besonderen die Mehlschwalbe geraten aus den genannten Gründen immer weiter unter Druck, sodass ihre Zahlen mittlerweile dauerhaft rückläufig sind. Die Mehlschwalbe liegt in diesem Jahr mit einem alarmierenden Minus von 21 Prozent bei den gebäudebewohnenden Arten an der Spitze. Der Hausrotschwanz – unser „Vogel des Jahres 2025“ - verbuchte in der Stadt Oldenburg einen Rückgang von 16 Prozent.

Ein besonderer Lichtblick in der Region ist die Mönchsgrasmücke. Sie wurde im Ammerland um 47 Prozent und in der Stadt Oldenburg um 28 Prozent häufiger gemeldet. Die unscheinbare Sängerin fühlt sich dort wohl, wo Gärten nicht zu aufgeräumt sind: in dichten Hecken, Sträuchern und bodennaher Vegetation. „Die Mönchsgrasmücke zeigt, wie viel ein naturnaher Garten bewirken kann“, so Göwert. „Wer heimische Sträucher pflanzt, wilde Ecken stehen lässt und nicht jeden Winkel sofort aufräumt, schafft wertvollen Lebensraum direkt vor der Haustür.“

Die Ergebnisse der „Stunde der Gartenvögel“ machen deutlich: Unsere Gärten und Siedlungen sind für viele Vogelarten längst wichtige Rückzugsräume. Doch sie müssen auch etwas bieten. Heimische Pflanzen, unversiegelte Flächen, Hecken, Wasserstellen, Nisthilfen und der Verzicht auf Pestizide helfen nicht nur Vögeln, sondern auch Insekten und vielen anderen Tieren. Ebenso wichtig sind vogelfreundliche Gebäudesanierungen. Mauersegler und Haussperlinge sind auf Nischen, Spalten und geschützte Brutplätze an Häusern angewiesen. Mehl- und Rauchschwalben auf die alten schon bestehenden Nester. Werden diese bei Sanierungen verschlossen bzw. entfernt, ohne Ersatz zu schaffen, verlieren die Tiere ihre Lebensgrundlage und das oftmals unbemerkt. Wer Gebäude modernisiert, sollte Brutplätze deshalb erhalten oder durch geeignete Nisthilfen ersetzen. Wer nicht sicher ist, ob gebäudebewohnende Arten ansässig sind, kann die zuständige Untere Naturschutzbehörde kontaktieren, mit Sitz in der zuständigen Stadt oder des entsprechenden Kreishauses.

Die „Stunde der Gartenvögel“ ist eine Mitmachaktion von NABU und seinem bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz). Die nächste Vogelzählung ist die „Stunde der Wintervögel. Sie findet vom 8. bis 10. Januar 2027 statt.

Presserechtlich verantwortlich: Mario Goewert, NABU Regionalgeschäftsstelle Oldenburger Land, Schlosswall 15, 26122 Oldenburg
 

Pressedienst NABU Oldenburg  aktuell - archiv
seitenanfang
Impressum
NABU-Oldenburger Land, Schlosswall 15, 26122 Oldenburg
Tel: 0441-25600 - Fax: 0441-2488761 - mail@nabu-oldenburg.de
Öffnungszeiten: Mo - Do, 15.00 - 17.00 Uhr
Gestaltung + Technik: ziesmer@nabu-oldenburg.de