Pressedienst NABU Oldenburg aktuell - archiv
NABU – Der Hirschkäfer im Porträt Jetzt die imposanten Käfer entdecken und meldenOldenburg, Oldenburger Land, d. 26.5.2025: „Die meisten Menschen werden den imposanten Hirschkäfer kennen. Doch nur Wenige werden ihn gesehen haben oder je zu Gesicht bekommen, da er recht selten ist und zudem erst mit Anbruch der Dunkelheit aktiv wird“, weiß Mario Göwert vom NABU Oldenburger Land zu berichten.
Der größte Käfer Mitteleuropas wird bis zu neun Zentimeter lang. Die Männchen sind mit rund drei Zentimeter langen Oberkiefern, den sogenannten „Geweihen“ ausgestattet, die sie bei Rivalenkämpfen und zum Festhalten der Weibchen während der Paarung benötigen. Nahrung können sie damit keine aufnehmen. Die etwas kleineren Weibchen kann man aufgrund ihrer Größe von sechs Zentimetern ebenfalls sofort als Hirschkäfer identifizieren. Die Hirschkäfer schwärmen von Mitte Mai bis Ende Juli an lauen Abenden mit lautem Brummen in Laubwäldern umher.
Männchen und Weibchen brauchen für die Reifung ihrer Keimzellen Baumsaft, der bestimmte Pilze enthält. Den finden sie an Wundstellen eines Baumes, der durch Windbruch, Frostrisse oder Blitzschlag verletzt worden ist. Der Saft aus solchen Baumwunden tritt häufig mehrere Jahre aus. Das Weibchen ist auch in der Lage, Wunden mit ihren kleinen, aber kräftigen Oberkiefern aufzubeißen. Für die Aufnahme von Säften sind Unterkiefer und Unterlippe des Hirschkäfers besonders ausgebildet. Alte Eichen sind hierbei besonders beliebt, aber auch Obstgehölze.
In der Paarungszeit kommt es häufig zu sogenannten Kommentkämpfen, also Scheinkämpfen zwischen den Männchen. Einer wird dabei meist vom Ast gehebelt. Der Stärkere sucht danach das Weibchen auf und nach einigen Tagen kommt es bereits zur Begattung. Nach der Paarung gräbt sich das Weibchen bis zu 50 Zentimeter tief in den Boden ein und legt dort im Laufe von zwei Wochen bis zu 100 Eier an morschen Wurzelstöcken von Eichen ab. Nach etwa 14 Tagen schlüpfen die Larven. Erst nach 5-8 Jahren erreichen sie eine Länge von stattlichen zehn bis zwölf Zentimetern, sind jetzt sogar größer als die später fertigen Käfer. Dann verpuppen sich die Larven und bauen hierzu einen mächtigen Kokon. Dieser ist oval und nahezu faustgroß, der der männlichen Larven ist sogar noch größer! An den bis zu zwei Zentimeter dicken Innenwänden der Kokons wird dabei ein Nahrungsbrei angebracht, der anschließend mit einem antibakteriellen Sekret geglättet wird. Etwa sechs Wochen nach der Verpuppung schlüpfen die fertigen Käfer, bleiben aber den Winter über noch im Boden. Erst Mitte Juni bis Ende Juli graben sie sich aus dem Boden und schwärmen aus. Die meiste Zeit seines Lebens verbringt der Hirschkäfer also unter der Erde.
Der Hirschkäfer ist streng geschützt, da er überaus selten geworden ist. Auf der bundesweiten Roten Liste wird der Hirschkäfer in der Kategorie 2 „stark gefährdet“ geführt. Die Hauptursache liegt in der Intensivierung der Forstwirtschaft und dem damit einhergehenden Verlust von Alt- und Totholz. Daher ist der Hirschkäfer in manchen Regionen bereits völlig verschwunden. Schon im Jahr 2012 wurde er deshalb zum Insekt des Jahres gekürt.
Um den Hirschkäfer in der Region besser schützen zu können, ruft der NABU Oldenburger Land e.V. zur Meldung von Hirschkäfern auf. „Wir führen die Aktion durch um festzustellen, in welchen Gebieten der Hirschkäfer im Oldenburger Land noch vorkommt. Mit diesen Erkenntnissen können dann Schutzmaßnahmen getroffen werden. “, so Mario Göwert, Geschäftsstellenleiter NABU Oldenburger Land.
Meldungen können per e-Mail an mail@nabu-oldenburg.de gerichtet werden oder telefonisch unter 0441-25600.
Presserechtlich verantwortlich: Mario Goewert, NABU Oldenburger Land e.V., Schlosswall 15, 26122 Oldenburg Pressedienst NABU Oldenburg aktuell - archiv
|