Donnerstag, 15.4.2021
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Endspurt bei der Wahl zum NABU-„Vogel des Jahres“ - bis zum 19. März kann noch abgestimmt werden
Auch die Feldlerche hat es in die Top Ten geschafft - Dramatischer Bestandsrückgang im Oldenburger Land

Oldenburger Land, d. 11.3.2021:
Einer „der“ Frühjahrsboten unter den Gefiederten, der auch für Norddeutschland und besonders für das Oldenburger Land eine besondere Rolle spielt, hat es bei den Vorwahlen zum NABU-„Vogel des Jahres“ 2021 unter die Top Ten geschafft – unter den besten zehn befindet sich die Feldlerche. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Aktion „Vogel des Jahres“, die 1971 mit dem damals kurz vor dem Aussterben stehenden Wanderfalken begann, können alle Vogelbegeisterten an der Wahl zum diesjährigen Jahresvogel unter www.vogeldesjahres.de teilnehmen.

„Die Feldlerche ist ein Vogel der Offenlandschaften, der Wiesen und Weiden, der Brachen und Wegränder, der Heidelandschaften und anderer Bereiche mit artenreicher, nicht zu hoher Vegetation“, stellt Oliver Kraatz von der Oldenburger NABU-Bezirksgeschäftsstelle die zu den Sperlingsvögeln zählende Sängerin vor, die den Menschen sehr ans Herz gewachsen ist, auch zwischen Norderney und Nörten-Hardenberg, zwischen Bad Bentheim und Bodenwerder. „Es gibt wohl kaum einen Vogel, der stärker als Frühlingsankündiger in der Landschaft wahrgenommen wird – wenn es jetzt auch noch ein wenig dauert“, schmunzelt Kraatz. „Der flötende, virtuose Gesang der Feldlerche zur Reviermarkierung findet statt, während sich das Männchen in Höhen von 50, manchmal sogar 100 Meter in einem ständigen Steigflug in die Lüfte hinaufschraubt; Lerchenweibchen singen meist am Boden. Der charakteristische ‚Singflug‘ der Lerchenmännchen hallt weit über das Land“, freut sich Oliver Kraatz auf das Frühjahr mit den Feldlerchen.

Aber: „Die Bestände der Feldlerche gehen landesweit besorgniserregend zurück, wobei der Rückgang im Oldenburger Land besonders stark ist. Seit 1970 ist in unserer Region der Bestand an Feldlerchen um etwa 90 % auf maximal 10.000 Reviere zurückgegangen. Im Ammerland gibt es große Verbreitungslücken. Dort singt dann keine Feldlerche mehr“, sagt Jörg Grützmann von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Oldenburg (OAO), deren Mitglieder die Vogelwelt im Oldenburger Land seit Jahrzehnten systematisch erfassen. „Der Verlust artenreicher Offenlandschaften zugunsten von Maisfeldern, der Verlust von Brachen, der immer stärkere Flächenverbrauch durch Städte-, Gewerbe- und Straßenbau und der damit verbundene Verlust an Brut- und Nahrungsräumen haben die Feldlerche sogar in die Vorwarnliste der Roten Liste der gefährdeten Arten vorrücken lassen. Sie finden im Sommer immer weniger Insekten und andere Wirbellose, die sie auch für die Aufzucht ihrer Jungvögel benötigen – Feldlerchen brüten in der Regel zweimal jährlich in einem Muldennest im Boden – und im Winter weniger Samen von Gräsern und Stauden. Die Monotonisierung und Betonierung unserer Landschaft hat im Bestand der Feldlerche bereits tiefe Spuren hinterlassen.“ Eine weitere Gefahr betrifft die Feldlerchen, die sich als Kurzstreckenzieher im Herbst auf den Weg in ihre Winterquartiere nach Südwest-Europa machen: Dort werden nach wie vor jedes Jahr Hunderttausende Feldlerchen durch Bejagung getötet – ein Frevel, der aus Sicht des NABU ein Ende haben muss. „Aus 2014/2015 ist bekannt, dass rund 900.000 Lerchen getötet wurden.“

Es ist Zeit zum Umsteuern, fordert Jörg Grützmann, der auch auf landesweite Erfolge durch Extensivierungen bei der Landbewirtschaftung, Kooperationen mit der Landwirtschaft mit so genannten „Lerchenfenstern“ auf Äckern und Schutzgebiete hinweist, in denen die Feldlerche noch ideale Brut- und Nahrungsräume vorfindet. „Wer auf einfache Art und Weise der Feldlerche und vielen anderen Arten helfen möchte, kann dies beim täglichen Einkauf tun – durch den Kauf von Lebensmitteln aus dem biologischen Landbau“, fügt Grützmann an.

Bereits zweimal wurde die Feldlerche zum „Vogel des Jahres“ gewählt, 1998 und 2019. „Eine seltene Ehre“, sagen die beiden Naturschützer, „die jedoch unterstreicht, wie notwendig es ist, für einen besseren Schutz der Vögel der Feldflur einzutreten. Und scheinbar haben dies auch viele Lerchenbegeisterte so gesehen, die bereits für die Feldlerche ihre Stimme abgegeben haben. Vielleicht erlangt sie zum dritten Mal den Titel – oder eine andere der weiteren neun Kandidatinnen hat den Schnabel vorn!“

Ein Farbposter mit den 50 bisherigen Vögeln des Jahres kann angefordert werden gegen Einsendung von 5 Euro beim NABU, Stichwort „Poster Vogel des Jahres“, Schlosswall 15, 26122 Oldenburg. -



Presserechtlich verantwortlich: Oliver Kraatz, NABU Oldenburg, Schlosswall 15, 26122 Oldenburg
 

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