Mittwoch, 26.9.2018
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Kleine Ausstellung in Karl-Sartorius-Hütte am Moorhauser Polder erinnert an OAO-Gründer
Nestor der Ornithologie im Oldenburger Land starb vor 50 Jahren

Oldenburg, d. 11.8.2017:
Vor 50 Jahren starb Karl Sartorius, der als einer der führenden Vogelkundler Norddeutschlands, vor allem aber als Nestor der Ornithologie im Oldenburger Land gesehen werden muss. Sartorius, ein auch musisch begabter Mann, war einer der Gründer der Ornithologischen Gesellschaft Oldenburg, der heutigen Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Oldenburg(OAO) im NABU.

Grund genug, dazu eine kleine Ausstellung in Würdigung des Lebenswerks von Sartorius zusammenzustellen, für den Sprecher der OAO Jörg Grützmann, ebenfalls seit Jahrzehnten in Naturschutz und Vogelkunde aktiv: Diese Ausstellung wird an einem ganz besonderen Ort stattfinden - in der Karl-Sartorius-Hütte, jener kleinen Hütte, die, am Rande des Naturschutzgebietes Moorhauser Polder vor den Toren der Stadt gelegen, an nur einem Tag gezeigt, und zwar am Sonntag, 20. August, von 10 bis 16 Uhr. Jörg Grützmann ist zudem auch Landschaftswart für dieses wichtige Feuchtgebiet unmittelbar an der Stadtgrenze, das über die Elsflether Straße erreichbar ist. Vogelfreunde, heimatkundlich Interessierte und Naturschutzaktive sollten sich diese beosndere Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Karl Sartorius wurde am 3. Juli 1875 als Sohn des Malers und Tapeziermeisters Hermann Sartorius und seiner Frau Friederike in Oldenburg geboren. Karl verlebte seine Kindheit im nahen Zwischenahn, wo er durch die naturnahe Kulturlandschaft mit seiner mannigfaltigen Tier- und Pflanzenwelt geprägt wurde. Er bemühte sich früh um den Schutz der heimischen Vogelwelt. Seine erste schriftlich überlieferte vogelkundliche Beobachtung ist die eines Hausrotschwanzes im April 1891 im Alter von 16 Jahren (Tagebuch 1).

Im friesischen Jever war er am städtischen Gymnasium Zeichenlehrer von 1898 bis 1903. Hier lernte er, bedingt durch die nahe Nordseeküste, seine geliebten Seevögel kennen, die ihn bis zu seinem Tode nicht mehr losließen. Im Alter von 28 Jahren kehrt er 1903 an seinen Geburtsort Oldenburg zurück, um dort eine Stelle am Gymnasium, ebenfalls als Zeichenlehrer, anzutreten.

Musik und Malerei wurden zu seinem Lebenselexier, neben der heimischen Vogelwelt, die er in immer neuen Variationen darstellte. Besonders bekannt geworden sind seine drei fliegenden Goldregenpfeifer, die er so trefflich mit seinem Bleistift „hinwarf“, dass sie bis heute das Deckblatt der Vogelkundlichen Berichte Niedersachsens zieren. Die Strandvogelsammlung im Naturhistorischen Museum (heute Museum für Natur und Mensch) stammt überwiegend von ihm.

1920 schuf er die „Ornithologische Frageliste“ und somit ein großes Beobachternetz aus interessierten Vogelkundlern des gesamten Nordwestens.

1922 gründete Karl Sartorius mit einer Handvoll Mitstreiter in Oldenburg die „Ornithologische Gesellschaft Oldenburg“.

Von Anfang an war die nahe Hunteniederung sein Haupt-Exkursionsziel (Protokoll-/Exkursionsbücher der OGO). Die hauptsächlichen Beobachtungsgebiete waren die Nordseeküste mit ihren vorgelagerten Inseln, allen voran die neu entstandene Insel Mellum, aber auch der südliche Jadebusen um Dangast. Das damals noch verwunschene, unbekannte Zwischenahner Meer, der Urwaldrelikt des Hasbruchs mit seinen 1000jährigen Eichen, zwischen Oldenburg und Bremen gelegen, der Dümmer, aber eben auch immer wieder die vor 80 Jahren noch überaus reiche Vogelwelt der unteren Hunte.

Kampfläufer, Birkhühner, weiter entfernt Goldregenpfeifer und Triele, wurden in nahezu ursprünglichen Lebensräumen angetroffen.

Durch die schweren Jahre der Naziherrschaft und dem anschließenden Weltkrieg wurde auch die ehrenamtliche Vogelkunde nicht verschont. Aber bereits im ersten Nachkriegsjahr rief Sartorius unermüdlich die noch lebenden und im Land verstreuten Ornithologen wieder zusammen. In einem wehmütigen Schreiben an alle noch erreichbaren OGO-Mitglieder betrauerte er umgekommene Vogelkundler. Es ging voran. In den Jahren 1946 bis 1954 stand der Vogelschutz an der Nordsee wieder ganz im Vordergrund. Die 1950er Jahre waren allerdings auch schon geprägt von umfangreichen Landschaftsveränderungen durch Entwässerungen und Meliorationen von Feuchtstandorten insbesondere Mooren. Die Ornithologen um Karl Sartorius erfüllten diese Entwicklung mit Trauer und Wut. Emotional formulierte er: „Mit brutaler Wucht und immer beschleunigterem Tempo bricht die Kohle-Öl-Technik-Zivilisation zerstörend in die Landschaften ein....“ .

Karl Sartorius war ein kämpferischer Geist, oftmals im Umgang schwierig, in der Sache aber ein kompromissloser Mahner für den Erhalt der Natur.

Er war einer der Altmeister der Ornithologie im Nordwesten.

Sartorius starb am 16.10.1967 in Oldenburg. Er ist auf dem Oldenburger Gertrudenfriedhof beerdigt.

Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Oldenburg, heute im 95. Jahr ihres Bestehens (gegründet als OGO, s.o.), ehrt mit einer Ausstellung sein über 45 Jahre langes Wirken für die Natur im Oldenburger Land.

Die bis heute erfolgreiche Arbeit, deren Grundstock Sartorius geschaffen hat, hat bis heute über eine Million Daten aus der Vogelwelt des Oldenburger Landes gesammelt. Alle diese Daten, von denen heute einige bereits im Staatsarchiv Oldenburg liegen, bilden die Grundlage für alle Forschungen rund um die Vogelwelt unserer Nordwest-Region.

Die Ausstellung findet nur an einem Tag statt: Sonntag, den 20. August, von 10°°-16°° Uhr. Ort: Die Karl-Sartorius-Hütte am Moorhauser Polder, die Beobachtungsstation der heutigen OAO (siehe Kartenausschnitt). Interessierte sollten am besten mit dem Fahrrad kommen, da die Parkplätze begrenzt sind. Landschaftswart Jörg Grützmann ist vor Ort und zeigt die kleine Ausstellung.

Nach Absprache mit Jörg Grützmann (mail@joerg-gruetzmann.de) ist die Ausstellung noch bis Anfang Dezember Einzelnen, die sich melden, zugänglich.

Presserechtlich verantwortlich: Rüdiger Wohlers, NABU Oldenburg, Schlosswall 15, 26122 Oldenburg
 

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