Freitag, 19.10.2018
Pressedienst NABU Oldenburg  aktuell - archiv

Der Starenkasten auf der Roten Liste der gefährdeten Arten?
Grünlandverlust raubt Lebensraum

Oldenburger Land, d. 8.6.2017:
Einst einer der häufigsten Nistkastentypen, ist der legendäre Starenkasten heute scheinbar auf die „Rote Liste der gefährdeten Arten“ geraten – kaum zu glauben, meint der Naturschutzbund NABU. „Noch vor weniger als dreißig Jahren fand man Starenkästen in so gut wie jedem Garten oder Kleingarten“, berichtet Rüdiger Wohlers, Bezirksgeschäftsführer des Naturschutzbundes NABU im Oldenburger Land, „dort prangten sie an Bäumen, langen Stangen, Hauswänden, denn der Star gehörte mit seinem lustigen Gesang zu jedem Garten – und war hochwillkommen, weil er viele Insekten fraß, Larven aus dem Rasen zog und so manches Würmchen im Beet erwischte.“ Mit dem Rückgang der Nutzgärten seit den 70er Jahren und der Verdichtung der Siedlungen hatte es der Star zunehmend schwer, er „war nicht mehr gefragt“, erläutert Wohlers: „Wo früher Erbsen, Bohnen und Möhren im Nutzgarten wuchsen und dem Star ein reiches Betätigungsfeld boten, war nun plötzlich exotisches Einheitsgrün – der Star verschwand aus der Aufmerksamkeit der Menschen.“ Wobei freilich das Hauptproblem des Stars ein noch viel weiter gehendes ist: Der dramatische Rückgang der Grünländereien in Niedersachsen nimmt ihnen die Lebensgrundlage, weil sie unter akutem Nahrungsmangel leiden. Wohlers: „Wiesen und Weiden verschwanden rapide hierzulande – durch den Biogasboom und die Intensivierung der Landwirtschaft gähnen immer größere Maiswüsten. So verschwand auch die Lebensgrundlage des Stars, aber auch vieler wiesenbrütender Vögel.“ Und in den Gärten, selbst, wenn sie recht naturnah angelegt und bewirtschaftet werden, die Starenkästen – heute vielen Menschen nur noch umgangsprachlich in ganz anderem Zusammenhang bekannt. „Das ist sehr schade – denn der Star ist ein ebenso intelligenter wie lustiger Geselle. Er imitiert gern andere Vogelarten mit seinem Gesang, setzt sich flügelschlagend auf sein hölzernes Eigenheim, und, weil er gesellig ist, können auch mehrere Starenkästen dicht beieinander beflogen werden und sich die Stare in schillerndem Gefieder einen Sängerwettstreit liefern. Sogar zwanzig oder dreißig Starenkästen, in ganzer Batterie an Wänden angebracht, wurden schon von Staren angenommen“, berichtet sich der Naturschützer.

Der NABU-Geschäftsführer wünscht sich daher, dass „der Star in unseren Gärten und Kleingärten eine Renaissance erfahren möge, wenn es auch für den Einzelnen sehr schwer ist, den galoppierenden Grünlandumbruch aufhalten zu helfen“ – durch den Bau von Starenkästen. „Für Nistkästen ist es nie zu früh oder zu spät, wenn sie auch vielleicht oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein der Lebensraumzerstörung sind“, ruft Wohlers auf: „Mit etwas Geschick kann schnell ein Starenkasten gebaut werden.“

Baupläne zum Starenkasten und vielen anderen Nisthilfen bietet der NABU in seiner 30seitigen
Bauplansammlung mit der Farbbroschüre „Vögel im Garten“ an. Sie können angefordert werden gegen Einsendung von 5 Euro beim NABU, Stichwort „Star“, Schlosswall 15, 26122 Oldenburg.

Presserechtlich verantwortlich: Rüdiger Wohlers, NABU Oldenburg, Schlosswall 15, 26122 Oldenburg
 

Pressedienst NABU Oldenburg  aktuell - archiv
seitenanfang
Impressum
NABU-Oldenburger Land, Schlosswall 15, 26122 Oldenburg
Tel: 0441-25600 - Fax: 0441-2488761 - mail@nabu-oldenburg.de
Öffnungszeiten: Mo - Do, 15.00 - 17.00 Uhr
Gestaltung + Technik: ziesmer@nabu-oldenburg.de