Samstag, 4.2.2012
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Wildbienen, Wespen, Hornissen & Co.

 
Staatenbildende Arten - Solitär lebende Arten - Nisthilfen - Notfälle/Infos
 

hummel an natternkopf
Grundlage für die Ansiedlung von Insekten ist das Vorhandensein möglichst vieler heimischer Wildpflanzen - hier eine Hummel am Gemeinen Natternkopf...
Die Tiergruppe der Insekten hat weltweit eine unüberschaubare Fülle von Arten hervorgebracht; viele von Ihnen sind vermutlich noch nie beschrieben und benannt worden. Auch in unseren Regionen finden sich die unterschiedlichsten Arten, die teilweise sehr unauffällig leben, teilweise aber auch Jahr für Jahr in den "Mittelpunkt des Interesses" rücken - wenn nämlich die oft stachelbewehrten Bienen, Wespen und Hornissen ihren sommerlichen Lebensraum mit dem Menschen teilen müssen...

...dann gibt es beim NABU eine alljährliche Flut von Anfragen zu Problemen mit Nestern von Bienen und Wespen im Garten- und Hausbereich. Die meisten dieser Anfragen sind bereits durch Aufklärung über Risiken und Lebensweise der Tiere zu beantworten. Deshalb möchten wir Ihnen an dieser Stelle einen kleinen Einblick ins Leben von Wildbienen, Wespen, Hornissen & Co. anbieten.

Übrigens: Alle wildlebenden Hummeln, Bienen und Hornissen sind besonders geschützte Arten nach dem Bundesnaturschutzgesetz (ihre Nester dürfen somit auch nicht ohne behördliche Genehmigung zerstört oder umgesiedelt werden).

Grundsätzlich lassen sich diese Tiere und auch die Wespen in staatenbildende und solitär lebende Arten unterteilen:

 
Staatenbildende Arten:

hornissennest
Hornissennester sind wahre Kunstwerke - es werden bis zu 5000 Waben angelegt.
Die Insektenstaaten von Hornissen, Wespen, Bienen und Hummeln sind nur einen Sommer aktiv (Ausnahme: Honigbiene). Zum Herbst hin werden - meist durch spezielle Futtergaben oder Abgabe von unbefruchteten Eiern gesteuert - Männchen und Königinnen erzeugt. Diese paaren sich im so genannten Hochzeitsflug, woraufhin das Staatengebilde im Grunde seine Aufgabe erfüllt hat: alle Tiere außer den befruchteten Königinnen sterben im Laufe der nächsten Wochen, spätestens mit den ersten Frösten ab.

Jede Königin sucht sich zu Beginn der kalten Jahreszeit einen frostsicheren Ort auf Dachböden, in Mauerritzen, unter Baumrinden, in Brennholzstapeln etc.. Dort fällt sie in Winterruhe und erwacht erst mit den ersten warmen Tagen im Frühjahr zu neuer Aktivität. Sie sucht einen geeigneten Nistplatz, beginnt ein neues Nest zu bauen, legt einige Eier ab und zieht diese erste Generation an Nachkommen selbst auf - diese sind nun die ersten "Arbeiterinnen", die das Nest vergrößern und von nun an für die Versorgung der Eier und Larven sorgen. Die größte Individuenzahl wird im Hochsommer erreicht, dann werden wiederum neue Königinnen und Männchen produziert, womit sich der jährliche Zyklus schließt...

Diese Kurzbeschreibung gilt grundsätzlich für alle Arten aus dieser Gruppe, variiert aber natürlich von Art zu Art und die Größe der Völker sowie die zeitliche Entwicklung des "Volkes" können sehr unterschiedlich sein.

In Stichworten:

  • Die wenigsten Arten errichten Nester an Häusern oder in Hohlräumen wie Nistkästen oder Baumhöhlen - die meisten bauen Erdnester.
  • Verlassene Nester werden im Folgejahr nicht wieder bezogen.
  • Zu Wespen- und Hornissennestern sollte ein Abstand von etwa 3 m eingehalten werden, sonst können sich die Tiere bedroht fühlen; direkte Störungen am Nest können ein Selbstverteidigungsverhalten des ganzen Volkes auslösen - dies kann ein sehr unangenehmes Erlebnis sein...
  • Längst nicht alle Arten können stechen - die heftigsten Reaktionen gibt es für den Menschen bei Hornissen- und Wespenstichen; aber auch hier ist keine Panik angebracht: wenn keine spezielle Allergie vorliegt, geht auch von diesen Arten keine ernsthafte Gefährdung für die Gesundheit aus. Lediglich Stiche in empfindliche Bereiche wie Augen oder Atemwege erfordern einen umgehenden Arztbesuch.

 
Solitäre Arten:

moertelbiene
Mörtelbienen geben sich viel Mühe, ihr Gelege mit speichelgetränktem Lehm zu verschließen...
Hierunter fallen sehr viele Wildbienen - grundsätzlich suchen die Weibchen nach der Befruchtung geeignete Orte zur Eiablage auf, um dort einzelne Eier abzulegen, meist in Verbindung mit der Anlage eines Futterdepots. Geeignete Orte können - je nach Art - Mauerritzen, Hohlräume zwischen Steinen, offene Röhrichtstängel, Ausfluglöcher von anderen Insekten in Totholz oder ähnliches sein.

Manche Arten verschließen den Zugang zum Ablageplatz sorgfältig, andere lassen ihn offen - die Jungtiere entwickeln sich dank des Futterdepots ganz selbständig und fliegen dann nach einer von Art zu Art variierenden Larvenphase als fertiges Insekt aus...

Aufgrund ihres vereinzelten Auftretens und der Tatsache, dass kaum eine dieser Arten in der Lage ist, Menschen zu stechen, stellt diese Artengruppe keine Probleme im Gartenbereich dar, sondern wird allgemein als interessante Bereicherung des Lebens im Garten wahrgenommen.

Besonderheit:

Es gibt einige Arten, die keine Staaten bilden aber dennoch solche nutzen! Im Grunde verhalten sich die Weibchen dieser Tiere wie solitäre Arten (keine Brutpflege, kein Nestbau), doch die Larven wachsen trotzdem in einem Nest auf - ähnlich wie beim Kuckuck werden die Eier den Nestern anderer Arten beigelegt und die Jungtiere werden auf diese Weise mitversorgt...


Nisthilfen:

Als Blütenbestäuber von großem Nutzen und aufgrund ihrer Vielfalt und interessanten Lebensweise bei vielen Naturgärtnern sehr beliebt, erfreuen sich Hummeln und Wildbienen großer Beliebtheit - und zunehmend finden auch potentiell wehrhaftere Arten wie Wespen und Hornissen ihr Freunde...

moertelbiene
...nach der letzten Häutung verlässt das fertige Insekt das Nest ganz selbständig.
Um diese Tiere in den eigenen Garten zu locken und sie auch dort zu halten, gibt es unterschiedlichste Hilfsmittel; zunächst sollten heimische Wildblumen den Garten zieren - je mehr Blumenarten, desto mehr verschiedene Insekten werden angezogen. Auch Insekten müssen trinken: flachrandige Vogeltränken oder das hineinlegen von Steinen, die aus dem Wasser schauen, schaffen hier "Insekten-taugliche" Zugänge. Zusätzlich können unterschiedlichste Nistmöglichkeiten gestaltet werden:

  • Steinige Haufen mit Geröll, Sand oder anderem trockenen Bodenmaterial an einem sonnigen Standort sind ideal für viele Erdbienen und -wespen
  • Auch flache, offene und trockene Bereiche mit lockerem Boden nutzen solche Arten zum unterirdischen Nestbau
  • Mauerritzen oder auch so genannte "Lochsteine" können Arten wie beispielsweise die Mörtelbiene beherbergen
  • Diese und einige ander Wildbienenarten nutzen auch die Ausfluglöcher holzbohrender Insekten, um darin Eier und Futterdepots abzulegen - so wird jeder Totholzhaufen zu neuem Leben erweckt
  • Mit vorgebohrten Hartholzblöcken oder Baumscheiben, sonnig angebracht, können Sie dies imitieren
  • Gebündelte (glatt abgeschnittene) Röhrichtstängel werden ebenfalls gerne angenommen - denken Sie an Regenschutz ...
  • Lehmige Haufen oder Wände aus Lehm locken wiederum andere Arten an
  • Spezielle Hummelkästen gibt es beispielsweise für Waldhummeln, die überirdische Nester bauen

Im Grunde sind der gestalterischen Fantasie keine Grenzen gesetzt - wer möchte, kann sich sogar eine "Insektenwand" bauen; fachwerkartig zusammengesetzte Holzbalken beherbergen in jedem Fach ein anderes zur Eiablage verlockendes Material. Am Boden aufgeschichtetes Totholz bietet nochmals Ablagemöglichkeiten aber auch Schutz vor Wetter und Feuchtigkeit...

Wespen und Hornissen, die keine Erdnester bauen, ist meist schon geholfen, wenn Sie im Gartenbereich oder am Haus einfach nur geduldet werden. Vor allem Ende Juli und im August sind kleinere Belästigungen eventuell zu ertragen (man kann seinen Lieblings-Sonnenplatz ja auch für ein paar Wochen verlegen, falls die Tiere beim Kuchenessen lästig werden); Im September beendet das Volk ohnehin seine Aktivitäten und alte Nester werden nicht wieder besiedelt. Mit speziellen Nistkästen für Hornissen, können Sie diesen bewusst ein Angebot im abgelegensten Teil Ihres Gartens machen...


Notfälle und zusätzliche Informationen

nabu-heft
Diese aktuelle Broschüre des NABU bietet reichaltige Informationen aus dem faszinierenden Leben der Insekten.
Da alle wildlebenden Hornissen, Bienen und Hummeln nach dem Bundesnaturschutzgesetz als besonders geschützte Arten eingestuft sind, ist eine Zerstörung oder Umsiedlung ihrer Nester nur in begründeten Einzelfällen und in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde (Landkreis oder Stadtverwaltung) erlaubt.

Auch bei Problemen mit Wespennestern, die eine Entfernung erfordern, möchten wir Ihnen empfehlen, sich zunächst mit der Unteren Naturschutzbehörde in Verbindung zu setzen - kann Ihnen hier nicht direkt geholfen werden, so wird man Sie eventuell an kompetente Stellen weiterleiten können.

Der NABU verfügt im Oldenburger Land weder über die Ausrüstung noch über die Erlaubnis, solche Arbeiten durchzuführen. Doch für Informationen zum Leben von Wildbienen, Wespen und Hornissen steht Ihnen unsere Geschäftsstelle gerne zur Verfügung.

Für den Bereich der Stadt Oldenburg wurde ein Beraterring durch die Untere Naturschutzbehörde eingerichtet!

Ein Info-Paket "Insekten" mit einem ausführlichen Heft zum Leben der Tiere und einer Bauplansammlung für Nisthilfen kann gegen Einsendung von 5 Euro angefordert werden (Stichwort "Insekten" NABU, Schlosswall 15, 26122 Oldenburg).
 

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Impressum
NABU-Oldenburger Land, Schlosswall 15, 26122 Oldenburg
Tel: 0441-25600 - Fax: 0441-2488761 - mail@nabu-oldenburg.de
Öffnungszeiten: Mo - Do, 15.00 - 17.00 Uhr
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